Dieses Spezialtraining richtet sich individuell nach den Bedürfnissen der betreffenden sehbehinderten oder blinden Person, um wieder ein selbständiges normales Leben führen zu können. Die Schulung wird in der eigenen Wohnung des/der Klienten/innen im Einzelunterricht durchgeführt.
Welche konkreten Inhalte könnte so eine Schulung eigentlich haben?
Mögliche Inhalte können sein:
• Persönliche Körperpflege
• Waschen, Duschen, Baden …
• Haare waschen und kämmen …
• Zähne putzen, Rasieren …
• pflegende und dekorative Kosmetik …
• Kleidung zusammenstellen
• An- und Ausziehen
• Schuhe binden …
• Handhabung von Verschlüssen …
• Essensfertigkeiten
• Einschenken …
• Brötchen teilen, bestreichen und belegen …
• Brot bestreichen und belegen …
• Essen mit Besteck …
• Zubereitung von Mahlzeiten
• Schälen und Zerkleinern von Obst und Gemüse …
• Umgang mit Herd, Backofen und Mikrowelle …
• Vorbereitung von Fleisch …
• Wenden in der Pfanne …
• Kuchen backen …
• Umgang mit elektrischen Küchengeräten …
• Kleiderpflege
• Kennzeichnen und Zusammenlegen von Kleidungsstücken …
• Wäsche sortieren …
• Wäsche waschen, aufhängen und bügeln …
• Schuhe putzen …
• Nähen
• Einfädeln …
• Knopf annähen …
• Naht schließen …
• Einführung in das Nähen mit der Nähmaschine
• Putzen
• Reinigen von Arbeitsflächen …
• Reinigen von Herd und Backofen …
• Reinigen von Böden …
• Fenster putzen …
• Geld
• Unterscheidung von Münzen
• Unterscheidung von Scheinen
• Ordnungs- und Markierungsprinzipien
• Kennzeichnen von Wäsche …
• Kennzeichnen von Kassetten, CDs, …
• Kennzeichnen von Lebensmittelverpackungen …
• Kennzeichnen von elektrischen Geräten …
• Häusliche Reparaturen und Umgang mit Werkzeug
• Glühbirnen auswechseln …
• Nägel einschlagen …
• Kommunikation
• Bedienung von Telefonapparaten …
• Erlernen der Unterschrift …
• Erlernen der Blindenschrift …
• Blumenpflege
• Babypflege
• Freizeitgestaltung
• Sonstiges
Die Kosten übernimmt das Bundessozialamt, die gesetzliche Unfallversicherung, die gesetzliche Pensionsversicherung oder die Kriegsopferversorgung. Kommt keiner dieser Kostenträger in Frage,zahlen viele Betroffene die Leistungen selbst, damit sie wieder selbständig werden und nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein müssen.
Auch mein Leben hat sich seit 1999 plötzlich völlig verändert. Da meine Augenerkrankungen Keratokonus und Netzhautdystrophie auf beiden Augen schleichend sind, merke ich nicht, wenn z.B ein heller Boden oder Treppe schmutzig ist. Ja eigentlich alles was sehr hell ist, sehe ich nicht mehr. Auch sagt mein Partner , dass ich alle Arbeiten umgekehrt mache. Damit meint er,dass ich nicht von rechts nach links, oder von oben nach unten meine Arbeit mache,sondern genau umgedreht. Ich muss wie ein Kleinkind wieder alles neu erlernen , mich auf meine intakten Sinnesorgane konzentrieren und mich wieder neu um orientieren.
Da gibt es beim Blindenverband auch ausgebildete Trainer für lebenspraktische Fertigkeiten (LPF-Trainer). Sie sind mir beim Neu- und Umlernen behilflich und zeigen mir viele Tipps und Tricks in der Haushalts- und Wäschepflege. Wie ich meine Wohnung sauber mache (da ist nämlich systematisches Vorgehen sehr hilfreich)? Welche Möglichkeiten es gibt, die Wäsche zu markieren, um nach dem Waschen keine böse Überraschung zu erleben? Welche Tricks ich beim Bügeln anwenden kann, damit die Wäsche nicht so zerknittert ist?
Beim Essenstraining erlerne ich den richtigen Umgang mit Messer, Löffel und Gabel . Auch fürs Kochen gibt es viele nützliche Hilfsmittel,wie eine sprechende Küchenwaage,einen sprechenden Eierkocher und vieles mehr. Ich erlerne den richtigen Umgang mit den Lebensmitteln. Gemüse putzen, lerne Schneidetechniken, Brot streichen, die Fleischzubereitung. Durch meinen Sehverlust kann ich hören wenn das Wasser kocht, oder riechen, wenn ich die Zwiebeln an röste und der Sonntagsbraten fertig ist?
Zuerst begannen wir mit Essenstraining. Die Benutzung von verschiedenen Messern, Löffeln und Gabeln war für mich kein Problem. Denn das benötige ich,wenn ich zur Hochzeit,Kommunion,Firmung oder anderen Anlässen gehe. Ich bin es gewohnt, mir zu allererstes einen Überblick über das, was sich alles auf meinem Teller befindet, zu verschaffen. Dann überlege ich,wie ist mein Besteck angeordnet und wie viele Gläser habe ich neben meinem Teller stehen. Außerdem Frage ich meinem Partner, Verwandte oder Bekannte, was es zu essen gibt und welches Besteck auf dem Tisch liegt.
Mittlerweile verwende ich zum sortieren der Wäsche häufig ein Farberkennungsgerät. Außerdem wasche ich meine Wäsche wohl öfter als sehende Menschen, weil ich mir oft nicht sicher bin, ob sie noch sauber ist. Ich wasche dafür mit niedriger Temperatur, was auch ein Verfärben sehr unwahrscheinlich macht. Und da die Wäsche meist nicht wirklich schmutzig ist, wird sie auch bei niedriger Temperatur sauber.
Dann markieren wir die Waschmaschine mit durchsichtigen gut fühlbaren Markierungspunkten. Nun steht auch dem Waschen nichts mehr im Wege.
Das Bügeln ist keine einfache Sache. Eine Hand befindet sich auf dem zu bügelnden Kleidungsstück um die Falten zu spüren. Die andere führt das Bügeleisen. Anfangs war es gar nicht so leicht, den nötigen Abstand einzuhalten, um mich nicht zu verbrennen.
Das ist nur eine sehr kleine Spitze des sehr großen Eisberges. Ich werde noch einige Zeit brauchen um alles wieder neu zu lernen.